Wir befragten die Ernährungswissenschaftlerin Frau Dr. Manuela Grimm zum Thema „Gesundheit“

Suuchle:

Liebe Frau Dr. Grimm, was bedeuten für Sie die Begriffe „Gesundheit“ und „gesund“?

 

Frau Dr. G.:

Beginnen wir beim Wort „bedeuten“. Allein dieses Verb kann ich vielseitig auslegen. Im etymologischen Kontext war „bedeuten“ gleichwertig mit „belehren“. Das ist gar nicht so veraltet, wenn ich mir heute anschaue, wofür Begriffe wie „Gesundheit“ und „gesund“ heute genutzt werden.

Sie nennen diese Worte „Begriffe“. Ein Begriff (Verb: begreifen) beinhaltet in sich „Griff“ mit dem Verb „greifen“. Kann ich ein Wort greifen und mit der Hand berühren? Nein. Ein Wort ist die kleinste Sinneinheit einer Rede. Ein gesprochenes Wort ist Ausdruck eines Gedankens. Was haben die Schöpfer der Worte „Gesundheit“ und „gesund“ sich gedacht, als sie die Worte bildeten?

Schauen wir in die Geschichte zurück. Im 8 Jh. war ein gesunder Mensch stark, nicht krank und unverletzt. Ein kranker Mensch war schwach, kraftlos, klein, schmal, gering, schlecht, leidend, hinfällig.

Hinfällig – hingefallen, niederliegend, im Bett liegend. Manch Krankheit zwingt uns in die Knie und bringt uns wahrlich ins Bett. Gesundheit war ein individuelles Geschehen, dass zwar Auswirkungen auf das Umfeld hatte, jedoch umgekehrt das Umfeld keinen (nennenswerten) Einfluss auf die Gesundheit des einzelnen hatte. Das änderte sich im Laufe der Geschichte.

1948 definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) „Gesundheit als einen Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur als das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“ Körperlich, geistig und sozial! Wo ist der seelische Aspekt?

Immerhin ist Gesundheit seitdem mehr als ein rein persönliches Interesse. Gesundheit beinhaltet soziales Wohlergehen. Als wahrer Mensch kann ich mich nicht nur als Individuum betrachten. Ich darf mich auch als Teil vieler Lebewesen sehen. Wenn ich mich in meinem Leben beobachte und ganz genau schaue, wie ich lebe, was ich esse, trinke, welche Luft ich atme, welche Kleidung ich trage, in welchen Räumen ich bin, mit welchen Menschen ich Kontakt habe, ob ich in die Natur gehe, wie ich in Beziehung mit den Tieren stehe – all das und vieles mehr wirkt in meine Existenz als Mensch. All das entscheidet, ob ich ein Leben in Heil oder Unheil, Gesundheit oder Krankheit führe.

Gesund, gesund, gesund! – lange Zeit konnte ich dieses Wort nicht mehr hören. Es war fast eine substanzlose Floskel, die selten hinterfragt und verstanden wurde. Erst wenn ich etwas hinterfrage und Erkenntnisse gewinne, wie „ahh, das heißt es für mich, wenn ich gesund bin und das gebe ich dann in mein (intaktes) Umfeld“, setzt Verstehen ein. „Verstehen ist der Schlüssel für Bewusstsein“, sagt Norbert Paul (https://www.norbert-paul.eu/). Heute wird Bewusstsein wieder wichtig. Wenn ich mir einer Sache / eines Themas bewusst bin, kann ich mir eine Meinung bilden. Wir brauchen Menschen mit Meinungen, die auf bewussten Erkenntnissen beruhen.

Wissenschaftler, Politiker, Ärzte, Industrielle, Fitnesstrainer und Ernährungsberater haben das Wort „gesund“ extrem aufgebauscht. Gesundheit ist ein Grundmotiv mit wirtschaftlichen Interessen geworden. Scheinbar orientieren sich daran Leben und Tod. Wir wollen leben – und das bitte gesund!

In meiner Praxis wurde ich oft gefragt, wie jemand gesund leben und essen kann.

 

Suuchle:

Was haben Sie geantwortet?

 

Frau Dr. G.:

Ich fragte mein Gegenüber, wie er oder sie lebt und was er/sie isst. Allein bei der Beantwortung dieser Frage, begann bewusste Reflexion… Die Frage beantwortete sich wie von selbst. „Ich will auf nichts verzichten,“ war ein schnell folgender Satz. „Wer spricht von Verzicht?“ Selbstverantwortung und Autonomie in den Entscheidungen sind der Beginn wahren Seins. Wahres Sein führt unweigerlich in Lebensveränderungen – und im Idealfall in Heil. Das ist ganz individuell. Jeder Mensch ist anders beschaffen. Was dem einen sein Heil ist dem anderen sein Unheil. Es gibt viele Krankheiten und jeder definiert Gesundheit als etwas anderes.

 

Suuchle:

Sprechen wir nochmal über den sozialen Aspekt von „Gesundheit“. Was ist Gesundheit im sozialen Kontext?

 

Frau Dr. G.:

Ob wir gesund sind und bleiben, interessiert in Wahrheit nur uns selbst und die Menschen, die wir Familie und Freunde nennen. Ein gesunder Mensch ist politisch und wirtschaftlich uninteressant. Dabei ist hinlängst bekannt, dass „ein Individuum alleine nicht die Macht hat, sich die beste aller Gesundheitsbedingungen zu schaffen. Nur alle Menschen gemeinsam können das tun, unter dem Gedanken der wechselseitigen Beeinflussung durch das eigene Handeln und im Wissen um die Eingebundenheit in größere Zusammenhänge.“ (Matthias Horx, https://www.zukunftsinstitut.de/) Hier hätte die Politik ihren Ansatzpunkt. Politik und Wirtschaft arbeiten Hand in Hand. Im Vordergrund steht allerdings selten die Gesunderhaltung von Menschen, Natur, Tier und des Planeten Erde. Oftmals sind sogenannte Heldentaten wie Ökostiftungen u. ä. politisches Aushängeschild namhafter Großkonzerne. Drum glaube keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast.

Technologen, Wissenschaftler und Industrielle beschäftigen sich seit Beginn der industriellen Produktion damit, Nahrungsmittel durch eine optimale Zusammensetzung chemischer Nährstoffe und andere Substanzen herstellen zu können. Seit Menschen Nahrungsmittel analytisch betrachten, werden Lebensmittel durch etwas ersetzt, was eine vermeintlich optimale Zusammensetzung der Nährstoffe aufweist, viel Energie für die Herstellung benötigt und die Wirtschaft unterhält. Nano-Food, In-vitro-Essen, Nahrungskomplettpulver und wie sie alle genannt werden. Verkauft wird uns das Ganze als „gesund“. Nietzsche ging davon aus, dass ein gewisses Maß an Krankheit gesund ist. Er sei mit demjenigen Maß an Krankheit gesund, dass es ihm noch erlaubte, seinen wesentlichen Beschäftigungen nachzugehen.

SEINEN WESEN-tlichen Beschäftigungen – nicht meinen / deinen oder euren! Nietzsches Aussage ist heute stellvertretend für das Denken vieler, die Gesundheit noch als individuelle Angelegenheit betrachten. Wobei Beschäftigung im privaten und oder öffentlichen Kontext steht. Der öffentliche Part – auch „Arbeit“ genannt – hat weitreichende Konsequenzen auf Wirtschaft und Politik. Ein Mensch, der sich unwohl fühlt, weil er ansteckende Keime in sich trägt und damit auf die Straße geht, wirkt in sein soziales Umfeld ein – bewusst oder unbewusst! Auch seine Emotionen wirken mit ins soziale Gefüge.

 

Suuchle:

Frau Dr. Grimm, Sie sind heute als Mentorin und Trainerin in vielen Lebensbereichen tätig. Was hat Sie bewogen, das Feld der Ernährungswissenschaften zu erweitern?

 

Frau Dr. G.:

Wie Essen mehr als Ernährung ist, weil es neben der Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel auch soziokulturelle Aspekte berücksichtigt, ist Leben mehr als Ernährung. Während dem Studium bekamen wir vermittelt, dass Ernährung das A und O des Lebens ist. Was aber ist mit P bis Z? Wie wirkt all das, was das Leben ausmacht ineinander und für jeden einzelnen Menschen? Welchen Einfluss hat es auf mein Leben, wo ich lebe, mit wem ich lebe, wie ich lebe?

Erst wenn ich ein Gesamtbild des Menschen mit ihr/ihm erarbeitet habe, finden wir die Ansatzpunkte für neue Lebenswege – wahre schöpfungskonforme Lebenswege. Wenn das alles bewusst wird, kann das Leben selbstverantwortlich geführt werden. Den Weg dahin, nenne ich kre-aktives Lebensmanagement. Diese Prozesse begleite ich. 

 

Suuchle:

Welchen Wert hat die Natur für unsere Gesundheit?

 

Frau Dr. G.:

Einen Wichtigen! Natur ist eine Ressource für die eigene Gesundheit und ein Teil von uns und wir von ihr. In meiner Arbeit mit den Menschen bringe ich sie raus in die Natur – allein das bewirkt Öffnung und macht einen Austausch in Wertschätzung und Vertrauen möglich.

 

Suuchle:

Wir danken Frau Dr. Grimm für Ihren Beitrag.

 

https://suuchle.netztaucher.com/dr-manuela-grimm-spiritualitaet-und-gesundheit/

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  1. Toni Napoli Eigentümer

    Ich hatte die Ehre Fr. Doktor Manuela Grimm persönlich kennen- und schätzen lernen zu dürfen.
    Ein wunderbarer Mensch, die fähig ist einem die Augen zu öffnen um ein besseres, zufriedeneres Leben führen zu können. Kann ich nur empfehlen, Ihre Dienstleistungen sind fantastisch und bringen einem weiter.
    BRAVO UND DANKESCHÖN.

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